Dead End Streets

Ein Teil der Rad-Faszination machte für mich seit klein auf immer der Aspekt der puren Fortbewegung aus. Weg zu kommen, etwas zu sehen und zu entdecken war als Kind gleichbedeutend mit Freiheit. Egal ob mit dem jüngeren Bruder über Feldwege und durch die Wälder zu donnern, im Nachbardorf ein „Mach 1“ Eis zu kaufen oder sich alleine  an einem grossen Rennen zu wähnen.
Später kamen erste Rennen, Radtouren und Alpenpässe dazu. Der Reiz der Stichstrassen dagegen erkannte ich erst in den letzten Jahren. Ursprünglich störte ich mich am Gedanken, den gleichen Weg wieder zurück fahren zu müssen und/oder die Gipfel nicht in einen Rundkurs einbauen zu können.
e  Part of my fascination for cycling has always been about going places and feeling alive. Finding new roads, new places was pure freedom. As a child bombing hills with my brother, racing over dirt roads and trough the woods was all I could have asked for.
Later there were races, bike tours and alpine passes. The attraction of dead end roads in contrast is something newer. Originally I disliked the idea of going back the same way I came or/and the fact that dead end streets are hard to add to a circuit.

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d   Neben dem offensichtlichen Handicap der Stichstrassen, trumpfen die Mauerblümchen der Gebirge aber mit ein paar nicht zu unterschätzenden Nebeneffekten auf; Stichstrassen stehen nicht nur bei Radfahrern sondern auch bei allen Motoristen nicht zu Oberst auf der Wunschliste, hier fährt meist nur hoch, wer muss. Keine gefährlichen Überholmanöver, keine quietschende Reifen oder röhrende Motoren. Meist ist man ganz alleine – mit sich in der Natur. Zudem erwarten einem am Ende der Stichstrassen oft Staudämme, denn aus irgend einem Grund hat der Mensch da auch mühsam eine Strasse hoch gezogen.
e  But aside from their obvious handicap, dead end streets offer a few real benefits. Not only cyclist tend to avoid dead end streets, motorists do so too, which means lonely and calms streets. No dangerous overtaking maneuvers, no squeaking rubber or roaring motors. You’ll be all alone in pure nature. And most of the time a huge dam awaits you on top – for some reasons mankind has built that road up there.

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d  Der Wunsch nach verkehrsarmen Strassen und neuen Eindrücken motivierte Mika und mich, zum ersten RaphaRising Wochenende nach Sion zu fahren. Vom Hauptort des Kantons Wallis und Umgebung führen diverse kleine Stichstrassen in das raue Gebirge.
Am ersten Tag nahmen wir uns den mittlerweile nicht mehr sooo unbekannten Geheimtip Sanetschpass vor, welchen wir letztes Jahr via Gondelbahn ins Berner Oberland bis nach Hause fuhren.
e  The desire for lonely and new roads motivated Mika and me to travel to Sion for the first weekend of RaphaRising. From the regional capitol of the canton Valais plenty of dead end streets head to some lost valleys and alps.
On the first day we rode up the notorious Sanetschpass. It used to be some kind of a secret but thanks to the recent feature of The Col Collective things will change soon. Last year we took the cable car on top to descent to the region of Gstaad and rode it home to Berne.

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 Je weiter wir in den hinteren Teil des Tales hoch kletterten und die letzten Häuser hinter uns liesen, wurde nicht nur das Gebirge karger sondern auch das Wetter unwirtlich. Wir näherten uns den Wolken und diese empfingen uns mit Nieselregen .
Oben angekommen suchten wir für einen kurzen Moment Unterschlupf in einer kleinen hölzernen Bushaltestelle. Als mich Mika mit selbst gemachten „Aprikosen-Rice-Cookies“ aus der Trikot-Tasche überraschte – ganz passend zum orangen Gold des Wallis. Nun waren wir bereit für die lange und technische Abfahrt.
e  The further we climbed not only the mountain got rougher but also the weather got harsh. We almost reached the clouds and they greeted us with drizzling rain.
As soon as we made it to the top, we searched for some shelter and paused for a moment. That’s when Mika surprised me with some self-made rice-cookies – apricot flavor adequate to the regions famous  orange gold. Now we were ready for the long and technical descent.

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d  Zurück in Sion stiess Jonas zu uns und gemeinsam machten wir uns auf der anderen Talseite auf zur höchsten Staumauer der Welt, der Grande Dixence. Nach über einer Stunde immer zu berghoch fahren kamen leise Zweifel auf, ob da hinten wirklich noch eine Staumauer kommen würde. Und dann plötzlich, nach einer verwinkelten Kurve, fährt man direkt auf sie zu. Ihrem Namen macht sie mit ihren knapp 300m Höhe alle Ehre. Ungekrümmt wie eine Mauer aus Trumps Träumen, baut sie sich vor einem auf. Die offizielle Strasse endet am Fusse der Staumauer. Wir aber wollten über die Mauer sehen und fuhren auf einer Gravel Road bis ganz hoch. Diese letzte Passage war das härteste und schwierigste Stück des Tages, gleichzeitig aber auch das Unvergesslichste und Eindrücklichste.
e  Back in Sion we picked up Jonas at the train-station and together we headed to the opposite side of the valley. Aiming for the worlds highest dam, la grande Dixence. After over an hour of steady climbing we started to doubt there will ever be a dam up here in the nowhere-land of the alps. But then, suddenly after a sharp turn, there it is: with over 300m height the dam blocks the view complete. Trump would probably start crying. The official road ends here, but as we wanted to stand up there on that huge wall, we took the gravel road that goes up some nasty switchbacks. That last part was by far the hardest and roughest of our ride, but it was worth it! I probably couldn’t felt more alive then at that very same moment on la grande Dixence!

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d  Nach einer Nacht im VW Bus in mitten eines Rebberges, machten Mika und ich uns am nächsten Tag auf zum Lac de Derborence. Dieser Bergsee entstand vor 300 Jahren nach einem gewaltigen Bergsturz, der an die 50 Alphütten unter sich begrub.
Die Strasse da hoch ist etwas vom kompromisslosesten und grobschlächtigsten was ich bis jetzt an Strassenhandwerk befahren habe. Entlang der rechten Talseite wurde brutal eine schmale Kante in die Wand gefräst, erbarmungslos und ohne jeden Firlefanz. Die schmale Strasse entlang der schroffen Felsen sucht immer wieder in rohen dunklen Tunnels Zuflucht.
e  After a night in the bus in the middle of a grapevine, Mika and I started the next day for Lac de Derborence. This mountain lake originates some 300 years ago when a huge landslide buried about 50 cottages.
The road up there is one of the most hard-line and raw construction I’ve ever rode. The road is cut brutal into the rocks of the right-side of the valley, straight and uncompromising. Often only tunnels can safe the road from the brusque rocks.

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d  Hinten, kurz vor dem See, öffnet sich das Tal. Nun schlängelt sich die Strasse graziös durch einen romantischen Föhrenwald. Einzig die riesigen Felsbrocken zwischen denn dünnen Baumstämmen lassen auf die gewaltsame Entstehung des Sees schliessen.
Gestärkt mit einer warmen Suppe oben am See nahmen wir uns als zweite Stichstrasse des Tages  die Staumauer von Emosson vor. Letztes Jahr führte die härteste Bergettape der Tour de France zum Stausee mit Sicht auf das Mt. Blanc Gebirge (Je suis le Tour).
Leider schafften wir es diesmal zeitlich nicht ganz bis ans Ende der Strasse, dafür reichte die Zeit um uns auf der Abfahrt mit frischen Aprikosen einzudecken.
Mit einem Kilo mehr unter dem RaceCape donnerten wir zu Tale. Glücklich, erschöpft und mit der Gewissheit, ins Wallis zurück zu kommen um weitere, noch unbekanntere Stichstrassen zu erkunden.
e  Then suddenly the valley opens up. The road wiggles up a romantic pine wood. Only the huge rocks between the thin woods sense the background of the area.
After a warm and alimentary soup we took the descent and started for our second dead end street of the day – the dam of Emosson. Last year the hardest stage of Le Tour brought the peloton up there. (Je suis le Tour)
Unfortunately we didn’t made it to the end of the road this time. We run out of time on the last climb, but at least we found time to buy some fresh apricots on the descent. With a kilo under my race-cape I rushed towards Martigny. Happy, exhausted and sure we’ll come back to the Valais to search for new dead end roads!
© Text & Photos: Jan Mühlethaler | roja-Goodz 2017

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Ein Kommentar

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  1. Super story!!

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